Offene Arbeit in Zeiten von Corona


Ein wesentlicher Bestandteil ihrer gelingenden Arbeit ist die persönliche Interaktion der Fachkräfte mit „ihren Kindern und Jugendlichen“, das oft jahrelange persönliche, vertrauensvolle „Kennen“. Arbeit, die geprägt ist von Face to Face-Begegnungen, Freiwilligkeit, Offenheit und Niedrigschwelligkeit konnten sie zwei lange Monate nicht bedarfsgerecht leisten. Die vielfältigen Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, wie Bauspielplätze, Spielhäuser, Mädchentreffs und Jugendzentren waren geschlossen und das für viele Kinder und Jugendliche so wichtige "zweite Zuhause", ihr Anlaufort mit seinen Freiräumen von einem Tag auf den anderen nicht mehr zugänglich.

Ziel (nicht nur) der Hamburger OKJA-Einrichtungen war es, trotz der schwierigen Situation weiterhin Kontakt zu ihren Nutzer*innen beizubehalten und insgesamt für junge Menschen ansprechbar zu bleiben. Sie wollen für ihre Fragen, Sorgen und Ängsten angesichts der Auswirkungen von „Corona“ da sein: Social Distancing, klarkommen müssen auf engem Raum, eventuelle prekäre, eskalierende familiäre Situation, schulische Belange und Überforderung, Ängste angesichts dessen, was ist und was die Zukunft bringen wird. Aber auch in ihren sonstigen Interessen und Wünschen möchten die Fachkräfte Kinder, Jugendliche und Familien weiterhin bestmöglich begleiten und unterstützen. Das es ihnen und wie es ihnen gelungen ist, belegen eindrucksvoll die ersten Ergebnisse einer empirischen Befragung die Prof. Dr. Gunda Voigts von der HAW Hamburg zusammen mit Studierenden durchgeführt hat.

Seit dem 13. Mai dürfen die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zunächst unter strengen Auflagen wieder öffnen. Es mussten feste Gruppen, die höchsten 15 Kinder und Jugendliche umfassen durften, gebildet werden und zahlreiche behördliche Vorgaben und Regeln beachtet, durchgesetzt und kontrolliert werden. Angesichts der stark veränderten Rahmenbedingungen, erschien von vornherein fraglich, wie attraktiv und bedarfsgerecht die Angebote für junge Menschen sind. Einerseits war es mehr als überfällig, dass die Einrichtungen wieder offen und  für die Kinder und Jugendlichen nutzbar sind. Andererseits wäre es wünschenswert gewesen, wenn Auflagen sowie Vorsichtsmaßnahmen und fachliche Grundprämissen dieses Arbeitsfeldes besser aufeinander abgestimmt worden wären, um so den Lebensrealitäten sowie daraus resultierenden Interessen und Bedürfnissen insbesondere von Jugendlichen gerechter zu werden. Nochmal sieben Wochen später hat dies nun auch Eingang in die Hamburgische SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung gefunden, die seit dem 1. Juli 2020 gültig ist.