Der Verband Kinder- und Jugendarbeit

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Wenn Kinder und Jugendliche in allen sie betreffenden Angelegenheiten mitentscheiden dürften, dann könnte in der Politik wahrscheinlich so mancher Debattenumweg erspart werden und insgesamt käme gewiss mehr Bewegung in die kinderfreundliche Gestaltung von Wohn- und Lebensumwelten. Der FORUM-Titel „Wenn Kinder die Wahl hätten …“ hat verschiedene Dimensionen. Zum einen geht es um die parlamentarische Ebene, die anlässlich der bevorstehenden Bürgerschaftswahl in Hamburg gerade ins Zentrum des Bewusstseins rückt. Wird Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ernst genommen, dann gibt es viel zu tun in Richtung Demokratisierung von Institutionen und Verfahrensabläufen. Dabei sind auch Ausstattungsdefizite in den Bereichen Gesundheit, Wohnraum und Ernährung auf den Prüfstand zu stellen. Wir sind gespannt, was die Parteien für kindgerechte Lebensumstände
und Lebensräume zu tun gedenken!

Bei der Frage nach den Wahlmöglichkeiten geht es auch um die alltäglichen Beteiligungschancen von Kindern und Jugendlichen. Diese zu schaffen und umzusetzen ist eines der elementaren Anliegen der Kinderund
Jugendarbeit. Ernst gemeinte Beteiligung bezieht sich in diesem Arbeitsfeld
nicht nur auf den Essensplan oder auf die Gestaltung der Angebote, sondern auch auf grundlegende Elemente des Einrichtungsalltags. Damit nicht genug: die Kinder- und Jugendarbeit sieht sich auch dafür verantwortlich, gesellschaftliche Beteiligungschancen zu ermöglichen. Denn Kinder und
Jugendliche wollen mitgestalten – in der Familie, in der Schule, im Stadtteil. Und sie haben ein Recht darauf, dazu ermutigt und befähigt zu werden.

Was verstehen Kinder unter einer Wahl? Was müssten ihre Eltern anordnen, wenn sie als „Bürgermeister von Hamburg“ oder „Königin von Deutschland“ das Sagen hätten? Wir haben 45 Kinder und Jugendliche befragt und u.a. erfahren, dass Kindern und Jugendlichen sehr an ökonomischer Gerechtigkeit liegt und dass die meisten von ihnen geneigt sind, ihre eigenen Wünsche den Gemeinschaftsinteressen unterzuordnen. So wird z.B. weit häufiger preisgünstiger Wohnraum und ein Mittel gegen Krebs herbeigewünscht als ein – eigentlich heiß ersehntes – Spiel- oder Sportgerät. Direkt im Anschluss daran erklären jugendpolitisch versierte ParteienvertreterInnen, wo Kinder die Wahl haben und wo mehr Beteiligungschancen wünschenswert wären. Dabei wenden sie sich in einfachen Worten direkt an Kinder und Jugendliche, damit die Texte in den Einrichtungen den BesucherInnen vorgelegt
oder vorgelesen werden können. Denn auch jüngere Kinder interessieren sich
für Politik, haben eine Meinung und mühen sich um Orientierung, das macht das darauf folgende Interview eindrücklich deutlich.

Auch die folgenden Beiträge greifen Aspekte der Beteiligung und Teilhabe von
verschiedenen Seiten oder Teilbereichen her auf: Unter anderem wird am Beispiel eines Projektes beschrieben, wie BesucherInnen der Zugang zur Wahl ermöglicht werden könnte. Andere Themen sind die Teilhabe an Angeboten wie Ferienfahrten, an Wohnraum, an Gesundheit, an (Bleibe-) Rechten, an sozialer- und Existenzsicherung.

Auch in diesem FORUM berichten wir von Aktivitäten der Kampagne Entschlossen OFFEN und stellen außerdem ein Ergebnis der Kampagnenarbeitsgruppe „Bildungspakt“ vor, in dem Eckpunkte für die Zusammenarbeit von Jugendarbeit und Schule vorgestellt werden. Im Anschluss daran folgen Berichte und Kommentare zur Schließung des Stadtteilprojektes Sonnenland.

Außerdem im FORUM: Erfahrungsberichte vom Wettbewerb „Kinder zum Olymp“ und von der Kletterfortbildung des VKJH e.V., eine Besprechung des Buches „Erziehung zur Armut“ und Hinweise auf interessante Veranstaltungen.

Wir hoffen, dass für alle etwas Interessantes dabei ist und wünschen allen Leserinnen und Lesern Spaß beim Lesen!

Maria Kalde und Manuel Essberger

Ausgewählte Texte zum download

  • Stefanie Strasburger (CDU): Die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen muss weiter intensiviert werden!
  • Andrea Hilgers (SPD): Jede Wahl ist eine Entscheidung - jede Entscheidung macht selbstständig
  • Christiane Blömeke (GAL): Ihr habt die Wahl... Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in Hamburg
  • Martina Kaesbach (FDP): Kinderrechte ins Grundgesetz aufnehmen!
  • Volker Vödisch (LINKE): Haben Kinder eine Wahl?
  • Marvin, Nadeh, Enis, Thomas, Sido, Lugie, ...: "... dass Kinder Taschengeld vom Staat kriegen statt von den Eltern!"
  • Lang, Kalde, Essberger, Gerbing, Göz: Ein Pakt für Bildungs- und Chancengerechtigkeit
  • Timm Kunstreich: GWA Projekt Sonnenland kämpft ums Überleben
  • Herbert Wiedermann: Sag uns was du denkst ... zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen