Der Verband Kinder- und Jugendarbeit

"Die Zukunft ist OFFEN"

Liebe Leserinnen und Leser,

wie steht es mit der Zukunft von Kindern und Jugendlichen? Die Auswirkungen eines sozialen Klimawandels haben junge Menschen längst erreicht. Toleranz, Verstehen und Akzeptanz sind überkommene Formeln einer als nicht mehr zeitgemäß geltenden Pädagogik. Gefordert wird Anpassung, Regeltreue und Leistung. Jugendliche werden zunehmend als öffentliche Gefahr beschrieben und immer weniger als Individuen mit Wünschen, Ansprüchen und Rechten. Gleichzeitig verschlechtern sich die strukturellen Rahmenbedingungen des Aufwachsens und die Chancen auf Teilhabe. Die Folgen des Klimawandels: Ausgrenzung und noch mehr Ausgrenzung. Trübe Aussichten für die Zukunft von Kinder und Jugendlichen!

Trübe Aussichten auch für die Offene Arbeit. Die Klimakatastrophe fordert Opfer, die nicht mehr zu bagatellisieren sind. Zwei Beispiele, die derzeit durch die Presse gehen: Zum Opfer fallen die Interessen und Bedürfnisse der bisherigen und potenziellen NutzerInnen einer Institution der Gemeinwesenarbeit in einem Hamburger „Problemquartier“, wenn das Stadtteilprojekt Sonnenland, wie vom Bezirk Mitte gefordert, seine Arbeit einstellt. Zum Opfer fallen Interessen der BesucherInnen des Bauspielplatzes Galgenbrack aus Wilhelmsburg, dem etwa 40% der jährlichen Zuwendung gestrichen werden. Prognose: Es sind weitere Opfer in nicht vorhersehbaren Dimensionen zu erwarten. Zeit für Gegenwind!

Als Gegenwind begreift sich die Kampagne Entschlossen OFFEN, zu der sich seit Ende 2006 die Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Familienförderung zusammengetan hat. Ziel ist es, sich als Arbeitsfeld mit besonderer Geschichte, Tradition und Wirksamkeit zu präsentieren, das gute und zeitgemäße Antworten auf die Problemlagen von Kindern und Jugendlichen hat und einen besonderen Beitrag zum Aufwachsen junger Menschen leisten kann, der angesichts des Klimawandels wichtiger ist denn je. Die Zukunft liegt in der Offenen Arbeit! Die Zukunft ist OFFEN. Entschlossen OFFEN!

Im ersten Beitrag dieses FORUM stellt Manuel Essberger die Kampagne, deren Ausgangsüberlegungen und Hintergründe vor. Peter Gerdes greift einen Kernpunkt der Offenen Arbeit auf, die Parteilichkeit, und plädiert für die bedingungslose Einhaltung dieses Prinzips gegenüber Kindern und Jugendlichen. Weiter geht es mit Nachweisen von Qualität: Benedikt Sturzenhecker zeigt die Erfolge und Potenziale der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auf und Conny Fiedler und Ela Lang präsentieren das Modell „Gästewohnung“ als gelungenes Konzept. Das und noch vieles mehr leistet die Offene Arbeit. So kann dem Klimawandel etwas entgegen gesetzt werden.

Es folgt ein kritischer Blick auf die konfrontative Pädagogik. Eingeleitet von Martin Herz setzen sich fünf Studierende mit dem Anti-Aggressions-Training auseinander und kritisieren unter anderem, dass hier der Schutz der Gesellschaft vor den Jugendlichen im Mittelpunkt stehe und nicht die Erweiterung von Chancen für junge Menschen. Einen ganz anderen Zugang zu jungen Menschen beweisen fünf andere Studierende und berichten im nächsten Beitrag über ihr Beteiligungsprojekt in Altona, aus dem ein selbstverwaltetes Jugendzentrum entstehen soll.

Zukunftsweisend sind auch die weiteren Artikel im FORUM. Fünf Jugendliche berichten von ihren Erfahrungen mit Jugendarbeit. Sabine Sundermeyer plädiert für die interkulturelle Ausgestaltung der Mädchenarbeit, Barbara Seithe berichtet vom Start eines kinder- und jugendkulturellen Projektes und Jürgen Haug setzt sich mit dem Einsatz von Ein-Euro-Kräften in der Jugendsozialarbeit auseinander. Schließlich bewertet Kirsten Wendt das Gewaltschutzgesetz und seine Umsetzung.

Auch in dieser Ausgabe des FORUM stellen wir Ihnen interessante Bücher vor und weisen auf unterschiedliche Veranstaltungen und Seminare hin.

Wir wünschen allen einen erfrischenden und belebten Frühling!

Manuel Essberger und Maria Kalde