Der Verband Kinder- und Jugendarbeit

Gesund - oder munter?

FORUM für Kinder- und Jugendarbeit
Ausgabe 2/2008

unter anderem mit Beiträgen von:

  • Mirjam Hartmann
  • Eckhard Schiffer
  • Freek Husiken
  • Martin Stahlmann
  • Ursula Mangelsdorff
  • Anke Mohnert
  • Charlotte Köttgen

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Liebe Leserinnen und liebe Leser!  (Editorial)

Gemeinhin wird Munterkeit von Kindern und Jugendlichen sowohl als Ausdruck als auch als Bedingung von Gesundheit angesehen. Toben, über die Stränge schlagen, außer Rand und Band sein – das alles gehört zu einer gesunden Entwicklung von Kindern. Allerdings nicht zu viel, nicht an jedem Ort und auch nicht zu jeder Zeit. Es gibt seit jeher Etiketten für aktive und über-lebhafte Kinder. Heute gängige Diagnosen sind Hyperaktivität, oppositionelles Verhalten oder auch emotionale bzw. soziale Störungen. So wird aus dem geläufigen Wortpaar „gesund und munter“ schnell ein Gegensatz: zu viel munter ist krank.

Gleichzeitig, das wird regelmäßig in Gesundheitsstudien festgestellt, sind viele Kinder nicht munter genug sind. Sie sitzen zu viel vor dem Computer und bewegen sich zu wenig, sie essen zu oft ungesunde Dinge und sind, um nur einige der heute fast typischen „Kinderkrankheiten“ zu nennen, motorisch eingeschränkt, schlecht ernährt, allergisch und immer öfter depressiv.

Die Gesundheit von Kindern gibt offenbar aus verschiedenen Perspektiven Anlass zur Sorge. Das gilt besonders für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, die unter Bedingungen von Armut und Benachteiligung leben. Denn Gesundheit, der Zugang zu gesunden Lebensmöglichkeiten und angemessener Gesundheitsversorgung ist – neben Aufklärung – eben auch zunehmend eine Frage des Geldes. Erst Mitte Mai, kurz vor Beginn des Deutschen Ärztetages, kündigte die Presse eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung an, eine wachsende Anzahl von medizinischen Leistungen sei zukünftig aus eigener Tasche zu zahlen. Die Entwicklungen in unserem Gesundheitssystem laufen schon lange auf eine Manifestierung der jetzt schon erkennbaren Zwei-Klassen-Medizin hin: Wer wird sich Gesundheit zukünftig leisten können? Der ebenfalls Mitte Mai vorgelegte Deutsche Armutsbericht zeigt, dass der Anteil der einkommensarmen Haushalte immer größer wird, dass die Kluft zwischen Armen und Reichen breiter wird, dass Kinder, Alleinerziehende und Arbeitslose immer weiter ins Abseits gedrängt werden. Reich und gesund, arm und krank – auch ohne Polemik zeigen diese Wortpaare die gesellschaftliche Realität.

Fest steht jedenfalls, dass Gesundheit und deren Förderung ein Thema für die Kinder- und Jugendarbeit ist, das an Bedeutung gewinnt. Das gilt nicht nur in Bezug auf Angebote der Gesundheitsförderung sondern auch im Hinblick auf die kritische Bewertung von (sozial- oder auch bildungs-) politischen Entwicklungen und Lösungswegen. Entsprechend geben wir in diesem FORUM Raum für kritische Auseinandersetzungen u.a. mit ungesunden Lernbedingungen und mit der AD(H)S –Medikamentierung. Außerdem stellen wir eine Reihe von Konzepten und Projekten zum Thema Gesundheit aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern der Offenen Arbeit vor.

Um uns – und auch Ihnen – einen guten Einstieg in das Thema zu ermöglichen, haben wir uns bei der Konzeption dieser FORUM-Ausgabe von Kindern beraten und uns berichten lassen, was Kinder gesund erhält oder krank macht. Soviel können wir hier schon verraten: Gesundheit ist eine komplexe Sache und umfasst weite Bereiche des persönlichen Wohlergehens. Zutrauen in sie, Freiraum, genug Taschengeld, Freude und Freunde und viel Spaß, dafür wenig Stress und Nörgelei von Erwachsenen – das sind nur einige der Geheimtipps, auf die Kinder zur Erhaltung ihrer Gesundheit schwören. Lesen Sie weiter auf den folgenden Seiten. 

Wir wünschen Ihnen einen gesunden und munteren Sommer!

Manuel Essberger und Maria Kalde

 

Ausgewählte Beiträge zum Download: